Gehirnverletzungen durch Projektile: Jeder 2. Patient, der lebend ein Krankenhaus erreicht, hat gute Prognosen

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

14. Oktober 2022

Patienten, die aufgrund von Gehirnverletzungen durch Projektile stationär behandelt werden, gelten als heterogene Gruppe. Ihre Verletzungsmuster unterscheiden sich stark – je nachdem, welche Gehirnregion betroffen ist und welcher Gegenstand, etwa eine Kugel oder ein Bolzen – das Gehirn penetriert hat.

„Generell muss gesagt werden, dass durchdringende Hirnverletzungen in vielen Fällen tödlich enden“, sagt Dr. Franz Marhold von der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems, Österreich. „3 Viertel der Betroffenen sterben noch am Unfallort, zumindest gilt das für den Zivilbereich.“

 
Generell muss gesagt werden, dass durchdringende Hirnverletzungen in vielen Fällen tödlich enden. Dr. Franz Marhold
 

Eine neue Kohortenstudie zeigt jedoch, dass jeder 2. Patient, der lebend eine Notaufnahme erreicht, eine gute Prognose hat. Zu dem Ergebnis kommen Marhold und sein Team in Frontiers in Surgery  [1]. Die besten Chancen hatten Patienten mit Verletzungen durch langsame Objekte, etwa durch Bolzen von Bolzenschussapparaten.

Retrospektive Daten aus Österreich

Grundlage der Studie ist eine retrospektive Analyse von Fällen zwischen September 2005 und Mai 2018. Marholds Team schloss alle Patienten ein, welche das Krankenhaus lebend erreicht und einen neurochirurgischen Eingriff erhalten hatten.

Von 24 Patienten starben 38%. Weitere 17% hatten eine ungünstige und 46% eine günstige Prognose. Insgesamt waren 58% der Verletzungen selbst verschuldet.

Als häufigste Ursachen nennen die Autoren Schusswaffen, wobei 21% der Verletzungen auf Bolzen von Bolzenschussgeräte zurückzuführen waren. Sie sind in Schlachtbetrieben, aber auch bei Hausschlachtungen weit verbreitet; Unfälle kommen vor.

Der Anteil der Verletzungen durch langsame Objekte wie Bolzen von Bolzenschussapparaten lag bei 54%, während 46% auf Objekte mit hoher Geschwindigkeit, etwa Projektile von Schusswaffen, zurückzuführen waren.

Die Geschwindigkeit des Projektils ist entscheidend für die Prognose

In der Kohorte erwies sich die Geschwindigkeit als prognostisch entscheidender Faktor: Bei 69% der Patienten mit Verletzung durch langsame, aber nur bei 18% der Patienten mit einer Verletzung durch schnell fliegende Objekte war das Ergebnis im Sinne einer weitgehenden Wiederherstellung neuronaler Funktionen gut.

 
Objekte mit geringer Geschwindigkeit hingegen verursachen eher lokale Verletzungen, was die deutlich bessere Prognose dieser Betroffenen erklärt. Dr. Franz Marhold
 

Zur Erklärung: Bei Projektilen mit hoher Geschwindigkeit entstünden „Hirnschäden auch jenseits des eigentlichen Eintrittskanals“, erklärt Marhold. „Objekte mit geringer Geschwindigkeit hingegen verursachen eher lokale Verletzungen, was die deutlich bessere Prognose dieser Betroffenen erklärt.“

Bei Patienten mit Objektbahnen, welche die Mittellinie überschreiten, konnte kein günstiges Ergebnis erzielt werden.

Klinische Werte bei der Aufnahme

Neben der Beurteilung über die Eintrittsgeschwindigkeit liefert auch der Pupillenstatus der Patienten Hinweise auf den möglichen Behandlungserfolg. Sind die Pupillen bei der stationären Aufnahme weitestgehend normal, war laut Studie in über 60% aller Fälle der Behandlungsverlauf günstig. Zeigten die Pupillen jedoch pathologische Reaktionen, hatten nur noch 20% ein gutes Behandlungsergebnis.

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Kommentar

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