Wischen um Fortzufahren
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Report: So schlecht steht es um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Arztberuf – die Ergebnisse der Medscape-Umfrage

Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Knapp 2 Drittel aller Medizinstudierenden sind Frauen. Ihr Anteil liegt nach der Approbation bei etwa 48%. Ist Chancengleichheit endlich in der Medizin angekommen?

Daran bestehen erhebliche Zweifel. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen in der Universitätsmedizin hat lag 2019 bei nur 13%. Und nur 31% aller Oberarzt-Positionen waren 2016 in weiblicher Hand.

Medscape wollte deshalb wissen: Gibt es zwischen Ärztinnen und Ärzten Unterschiede bei Karrierechancen, bei der Work-Life-Balance oder in ihrem Selbstbewusstsein? Wer kümmert sich etwa, wenn die Kinder krank sind? Oder haben sich so manche Ärzte und Ärztinnen gar gegen Kinder entschieden, weil der Beruf so fordernd und die Unterstützung für Familien ungenügend ist?

Die Umfrage hat etliche Kritikpunkte zu Tage gefördert. So wünscht sich eine 32-jährige Chirurgin „Teilzeitkonzepte der Klinikgeschäftsführung für ALLE und Vorbilder in der Chirurgie, die operieren und auch ab dem frühen Nachmittag die Arbeit beenden OHNE von Kollegen dafür gemobbt zu werden“.

An der Umfrage haben 1.040 Medscape-User teilgenommen (534 Männer, 500 Frauen). Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

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Frauen fühlen sich häufig benachteiligt

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Frauen fühlen sich häufig benachteiligt

Wenig überraschend gaben 60% aller Frauen an, dass sie sich benachteiligt fühlen. Interessant ist aber, dass sich auch 40% aller männlichen Ärzte in Geschlechterfragen benachteiligt fühlen. Die Rahmenbedingungen scheinen für Ärztinnen aber deutlich schlechter als für Ärzte zu sein, was sich mit den eingangs genannten Zahlen deckt.

Medizin ist als Studiengang für Frauen und Männer gleichermaßen interessant. Doch im Zuge ihre Laufbahn scheinen Ärztinnen eher als Ärzte aus bremst zu werden. Mit der Umfrage begibt sich Medscape auf Spurensuche: Welche Hürden stehen Frauen eher im Wege als Männern?

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Wo drückt der Schuh?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Wo drückt der Schuh?

Frauen und Männer antworteten auf die Frage, welche Themen am Arbeitsplatz ihnen die größten Sorgen bereiteten, durchaus unterschiedlich, was Gender-Problematiken im Job dokumentiert.

Am Einkommen stören sich eher Männer (16%) als Frauen (10%), während Kolleginnen (8%) häufiger als Kollegen (3%) Karrierechancen vermissen.

Auch die Vereinbarkeit von Job und Kindererziehung sehen Frauen problematischer als Männer (15% versus 7%). Nach wie vor scheint Kinderbetreuung eher in der Hand von Müttern als von Vätern zu sein. Gleichstellung umfasst aber mehr als die Familie. Hier sehen 8% der Frauen, aber nur 1% der Männer Defizite. Noch ein Blick auf die Work-Life-Balance. Von Defiziten berichten 28% der Frauen und 33% der Männer.

Bei Detailanalysen fallen Besonderheiten auf (Daten nicht grafisch dargestellt). Vor allem jüngere Männer äußern Kritik an der fehlenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In der Generation unter 45 waren es 24% der Frauen, aber 44% der Männer. Und bei den Millennials, die zwischen Anfang der 1980er- bis Ende der 1990er-Jahren geboren worden sind, kritisierten 25% versus 46% diesen Aspekt.

Interessant für die Chefs im Medizinbetrieb: Scheinbar ist die junge Generation der Health Professionals nicht mehr bereit, das Leben zu Gunsten der Praxis beziehungsweise der Klink zu opfern. In ihrem Report „Zukunftsbild Heilberufler 2030“ ist die apoBank zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

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Karriere und Gehalt – wie benachteiligt fühlen sich Frauen?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Karriere und Gehalt – wie benachteiligt fühlen sich Frauen?

Die Umfrage zeigt aber auch: Mediziner bewerten – je nach Geschlecht – ihre Karriere-Chancen im beruflichen Umfeld ganz unterschiedlich.

17% aller Ärzte haben den Eindruck, dass sie als Mann Vorteile – sehr positive plus positive Auswirkungen – bei Beförderungen haben (Frauen nur 4%).

Hingegen sprechen 42% der Frauen von negativen Einflüssen (Männer: 5%). Weder positiv noch negativ bewerten 76% der Männer, aber nur 48% der Frauen, ihre Situation.

Ein Großteil aller Männer (81%) sieht bei Verdienstmöglichkeiten keine Gender-Effekte, was 62% der Frauen ähnlich bewerten. Negative Einflüsse geben 32% aller weiblichen, aber nur 3% aller männlichen Umfrageteilnehmer zu Protokoll.

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Forscherinnen haben es schwerer

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Forscherinnen haben es schwerer

Auch die Forschung scheint zwischen Geschlechtern zu unterscheiden. Auffällig ist hier, dass 19% aller Frauen, jedoch nur 3% der Männer, bei wissenschaftlichen Publikationen Nachteile erfahren haben.

Noch deutlicher macht sich dies bei Einladungen zu wissenschaftlichen Konferenzen bemerkbar. 24% aller Frauen, jedoch nur 5% aller Männer, gaben negative oder sehr negative Gender-Effekte zu Protokoll.

Genau hier liegt ein gewaltiges Problem. Ohne Publikationen und ohne Kongressvorträge wird es schwierig, Drittmittel einzuwerben, Expertinnen oder Experten für die eigene Arbeitsgruppe zu gewinnen, sich zu habilitieren oder für eine Professur zu bewerben.

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Männer setzen sich zu wenig für Frauen ein

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Männer setzen sich zu wenig für Frauen ein

Netzwerken ist wichtig im Beruf – gerade auch in der Medizin. Die Medscape-Umfrage zeigt auch hier deutliche Gender-Effekte. Männer bekommen sehr viel bzw. viel Unterstützung von Frauen (32%) – Frauen nannten entsprechenden Support von Männern deutlich seltener (13%).

Gleichgeschlechtliche Kollegen halten enger zusammen: Männer wiederum scheinen andere Männer sehr stark oder stark zu unterstützen (23%), was noch deutlicher für Frauen (31%) gilt, die anderen Frauen unter die Arme greifen.

Die Zahlen zeigen, dass vor allem Männer gefragt sind, einen stärkeren Beitrag zu leisten, wenn es darum geht, Frauen am Arbeitsplatz zu fördern. Aktuell berichten vor allem Männer über den Support durch Kolleginnen.

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In welchen Bereichen geht es jetzt gerechter zu als vor 5 Jahren?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

In welchen Bereichen geht es jetzt gerechter zu als vor 5 Jahren?

Ob sich beim Thema Gendergerechtigkeit in den letzten 5 Jahren viel getan hat? Die Antworten in der Medscape-Umfrage fallen je nach Themenbereich sehr unterschiedlich aus:

15% aller Männer, jedoch 24% aller Frauen, sehen keine nennenswerten Verbesserungen in zentralen Bereichen ihrer Tätigkeit. 

Männer nennen eher Fortschritte beim Einkommen (36%) und bei Aufstiegschancen (44%) als Frauen (jeweils 19%). Starke Übereinstimmung gibt es bei Teilzeitangeboten (59% versus 55%) und beim Homeoffice (16% versus 14%). Verbesserungen bei den Arbeitszeiten geben Männer und Frauen unterschiedlich häufig an (54% bzw. 41%).

Alles in allem ist hier viel Luft nach oben – und Arbeitgeber sollten handeln. Schon lange fehlen Fachkräfte für ärztliche sowie für pflegerische Tätigkeiten. Werden Arbeitsplätze nicht attraktiver, könnte sich die Situation weiter zuspitzen.

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40:60 – Chefinnen auf dem Vormarsch

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

40:60 – Chefinnen auf dem Vormarsch

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Die Umfrage zeigt, dass 42% aller Frauen und 61% aller Männer in einer Führungsposition arbeiten. Weitere 18% bzw. 15% beaufsichtigen Kolleginnen oder Kollegen.

Langsam scheint sich die Schere zu schließen. Dies belegen weitere Umfragedaten, die aus Platzgründen nicht grafisch dargestellt werden: Deutlich mehr Frauen (39%) als Männer (24%) streben aktuell eine Beförderung an. Geschlechterspezifische Förderprogranne sind allerdings selten (6% bzw. 5% der Nennungen); allgemeine Förderprogramme wurden häufiger genannt (22% bzw. 28%).

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Jobprobleme? „Family and Friends“ so wichtig wie die Kollegen

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Jobprobleme? „Family and Friends“ so wichtig wie die Kollegen

Bei Sorgen oder Nöten vertrauen sich Ärzte und Ärztinnen besonders oft ihrer Familie oder ihren Freunden an (Männer 57%, Frauen 64%). Befreundete Ärzte oder Kollegen wurden etwas seltener um Rat gebeten (57% bzw. 64%).

Was an dieser Stelle auffällt: Coaches, Mentoren oder Berater spielen eine untergeordnete Rolle (7% bzw. 9% der Nennungen). Offen bleibt, ob an Kliniken entsprechende Coaching- oder Mentoring-Programme, wie man sie aus der Industrie kennt, noch immer fehlen.

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Selbstsicher im Chef:innen-Sessel

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Selbstsicher im Chef:innen-Sessel

Ein Team zu leiten ist keine leichte Aufgabe. Medscape wollte deshalb wissen, wie sich Führungskräfte selbst dabei fühlen.

Männer gaben häufiger als Frauen an, sehr selbstsicher (29% versus 19%) oder selbstsicher zu sein (50% versus 46%).

Logischerweise haben Frauen eine pessimistischeren Blick auf ihr Selbstbewusstsein: Viele Chefinnen fühlten sich nur halbwegs (18% versus 26% der Männer), wenig (2% versus 7%) oder nicht selbstsicher (1% versus 2%).

Um ihre Selbstsicherheit zu steigern, wünschen sich Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer mehr Zeit, eine bessere Personalplanung, Fortbildungen bzw. Coachings, verständnisvollete Kolleginnen und Kollegen, Kommunikation auf Augenhöhe, mehr Zusammenhalt im Team, aber auch mehr Unterstützung durch den Arbeitgeber.

Beispielsweise hofft eine 30-jährige Kardiologin auf „intensive Fortbildungsmöglichkeiten zur Vorbereitung, interkollegialen Austausch, besseren Zusammenhalt und besseren Rückhalt durch Vorgesetzte“.

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Theater spielen, um ernst genommen zu werden?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Theater spielen, um ernst genommen zu werden?

Deutliche Gender-Unterscheide zeigen sich auch bei der Frage, ob sich Ärzte verstellen müssen, damit sie von Kollegen oder Patienten akzeptiert werden.

Nur 11% aller Männer gaben an, dass sie sich anstrengen, um mehr Souveränität auszustrahlen. Mehr als doppelt so viel Frauen (27%) kennen dagegen einen solchen Druck. 37% der Männer bzw. 48% der Frauen verbiegen sich manchmal, um im Job gut dazustehen.

Von Unsicherheit im Umgang mit Patienten berichteten insgesamt 28% der Männer und 30% der Frauen – hier waren die Unterschiede recht gering (Daten nicht dargestellt).

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„Sind Sie die Krankenschwester oder die Ärztin?“

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

„Sind Sie die Krankenschwester oder die Ärztin?“

Wie oft passiert es Ihnen, dass Patienten Sie als Ärztin oder Arzt fälschlicherweise für eine beruflich geringer qualifizierte Person halten, etwa für eine Pflegekraft?

Traurig, aber immer noch wahr: Wenig überraschend hatten 33% aller Frauen, jedoch nur 3% der Männer oft solche Erfahrungen gemacht. Gelegentlich kam dies bei 23% aller Männer und bei 48% aller Frauen vor. Ganz klar zeigen sich hier festgefahrene Rollenklischees. Eine Frau ist sicherlich die Krankenschwester, MFA bzw. MTA; ein Mann ist Arzt.

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Entscheidung für die Medizin und gegen Kinder?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Entscheidung für die Medizin und gegen Kinder?

Gefestigte Rollenmuster zeigen sich auch bei der Frage, ob die Entscheidung für den Arztberuf gleichzeitig die Familienplanung beeinflusst hat. Das bejahten nur 15% aller Männer, jedoch 46% aller Frauen.

90% der Männer bzw. 94% der Frauen mussten eigenen Angaben zufolge Kompromisse im Familien- oder Privatleben machen, um dem Beruf gerecht zu werden.

Von allen Umfrageteilnehmern gaben 45% der Männer und 44% der Frauen an, mit eigenen Kindern im Haushalt zu leben. Weitere 41% bzw. 23% hatten eigene, beispielsweise ältere Kinder, die nicht im Haushalt waren. Und 16% bzw. 34% gaben an, keine Kinder zu haben (Daten nicht dargestellt).

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Schlechtes Gewissen wegen Überstunden?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Schlechtes Gewissen wegen Überstunden?

Wie im Krankenhaus oder teilweise auch in manchen Arztpraxen üblich, müssen auch Eltern Überstunden leisten. Doch wie empfinden Health Professionals dies?

7% der Männer, aber 23% der Frauen quälen sich immer mit einem schlechten Gewissen und 42% bzw. 54% hatten das Gefühl oft. Weitere 37% bzw. 16% spürten manchmal Gewissensbisse, und 9% bzw. 5% zumindest gelegentlich. Ganz auf die Arbeit konzentrieren sich 5% aller Männer und 2% aller Frauen.

Die Zahlen veranschaulichen: Frauen scheinen sich der Familie oft stärker verbunden zu fühlen als Männer – oder auf ihren Schultern ruht die größere familiäre Last.

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Wenn das Kind krank ist, bleibt meist die Mutter zu Hause

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Wenn das Kind krank ist, bleibt meist die Mutter zu Hause

Alteingefahrene Rollenmodelle zeigen sich auch bei der Frage, wer kranke Kinder zu Hause betreut. „Ich selbst“ kreuzten nur 3% der Männer, jedoch 32% der Frauen an. Bei 69% aller Männer ist es die Partnerin, bei 23% aller Frauen der Partner. Beide Elternteile nehmen die Verantwortung eher selten zusammen wahr (21% aller Männer bzw. 26% aller Frauen berichten dies). Auf Babysitter, Freunde oder andere Familienmitglieder setzen nur 6% der Männer und 19% der Frauen.

Doch was tun Paare, falls sie bei unvorhersehbaren Notfällen oder Problemen den Arbeitsplatz verlassen müssen? Die Antworten sind recht unterschiedlich. In einigen Beziehungen bringen sich die Partner gleichermaßen ein; das geben 26% der Männer und 22% der Frauen an. Oft fährt die Person mit kürzerer Fahrstrecke los (18% versus 16%) – oder die Person mit der niedrigeren Stufe auf der Karriereleiter macht sich auf den Weg (15% versus 12% der Nennungen).

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Nur 20 Prozent der Männer planen oder nehmen Elternzeit

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Nur 20 Prozent der Männer planen oder nehmen Elternzeit

Medscape hat alle Ärztinnen und Ärzte mit Kindern auch zum Thema Elternzeit befragt. Wenig erstaunlich nahmen nur 20% aller Männer, jedoch 72% aller Frauen, diese familiäre Auszeit.

Wer sich gegen eine Elternzeit entschieden hat, tat das aus recht unterschiedlichen Gründen – teilweise aus Angst vor einem Karriereknick oder vor Gehaltsverlusten, teilweise aber auch, weil es andere Möglichkeiten der Kinderbetreuung gab.

Unter allen Teilnehmern der Umfrage lebten 16% der Männer und 23% der Frauen in einer Partnerschaft; 76% bzw. 54% waren verheiratet und 7% bzw. 23% Singles.

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Gerechter durch die Krise?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Gerechter durch die Krise?

Noch ein Blick auf die Auswirkungen der Pandemie im Alltag der Ärzte. Hat sich die Gleichberechtigung der Geschlechter speziell im Medizinbetrieb aufgrund der Pandemie verschlechtert?

84% aller Männer und 60% aller Frauen konnten keinen Unterschied im Vergleich zu früheren Zeiten feststellen. Nachteile für Frauen haben 10% der Männer und 40% der Frauen angegeben. Eine Verschlechterung für Männer gaben 7% der Männer, aber 0% der Frauen an.  

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Wie hat die Pandemie Ihre Einstellung zum Job verändert?

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Claudia Gottschling und Michael Van den Heuvel | November 23, 2021 | Interessenkonflikte

Wie hat die Pandemie Ihre Einstellung zum Job verändert?

Dauerstress. Frustration über die Politik. Flucht aus dem Medizinbetrieb. Die 4. Welle, die im Winter 2021/22 über Deutschland hinweg rollt, macht deutlich, dass für Kliniker und Niedergelassene sich während der vergangenen Krisenmonate wenig verbessert hat. Im Gegenteil.

Wir wollten von unseren Umfrageteilnehmern auch noch ein paar persönliche Eindrücke mitbekommen. Einige Zitate zur Frage, wie sich der Kampf gegen das Virus auf die Einstellung der Ärztinnen und Ärzte konkret ausgewirkt hat. Der Trend: Die Kollegen achten mehr auf ihre eigene Gesundheit – und auf ihre Work-Life-Balance. „Das Leben ist endlich und Familie wichtiger als die Arbeit“, schreibt eine 32-jährige Chirurgin in Elternzeit. Und ein 38-jähriger Facharzt für Psychiatrie bestätigt: „Der Beruf beinhaltet Gefahren, die mir vor der Pandemie nicht bewusst waren.“

In der Medscape-Umfrage äußern viele Ärztinnen und Ärzte aber auch Kritik an der Situation. „Warum soll man den Kopf hinhalten, wenn in den Medien nur über Lockerung, Urlaub und Party berichtet wird statt über den Umständen entsprechendem angemessenem Verhalten“, gibt eine 66-jährige Anästhesistin zu bedenken.

Auch psychologische Aspekte der Pandemie kommen zur Sprache. „Der hygienebedingte Mehraufwand ist auf Dauer schlecht für das Arzt-Patienten-Verhältnis und schafft auf mehreren Ebenen Distanz“, so ein 54-jähriger Chirurg.

Und eine 31-jährige Chirurgin merkt an: „Das Gesundheitswesen hat sehr unter der Pandemie gelitten. Stellen wurden gestrichen, es wurde krampfhaft versucht Überstunden abzubauen. Nach wie vor findet sich keine Wertschätzung.“

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